Die Kunst nicht auf(zu)geben
Kunst bedeutet Freiheit
Wie komme ich dazu der Kunst eine solch bedeutsame Rolle zuzusprechen?
Vor kurzem sah ich auf youtube einen Clip, in welchem eine Gruppe von Studierenden ein ganz erstaunliches Kunstwerk geschaffen hat. Die Kamera sieht auf eine relativ weit entfernte Wiese mit Hang, auf welcher eine Schafherde, mit Hilfe von einigen SchäferInnen und noch mehr geschickten Border-Collies, zu den erstaunlichsten Choreografien getrieben wurde. So bildet die Herde im ersten Part etwa ein ‘Meta’-Schaf das über die Weide wogt. Und da man nun schon einmal solch ein fantastisches Spielzeug hat wird auch munter weitergespielt: als nächstes wird mit einer LED garnierten Schafherde Pong gespielt, ein Feuerwerk inszeniert und die Mona Lisa nachgestellt. Der bemerkenswerte Punkt hierbei ist für mich der Tatbestand des ‘Groben Unfugs’ da man weit über die Notwendigkeit hinaus gehandelt hat. Kunst ist unzweckmäßig, und hierin, paradoxerweise ganz und gar notwendig für den Menschen.
Warum ist Kunst (und wie) zweckmäßig?
Wenn man ein Weilchen über diese Frage nachdenkt, kommt man vielleicht zu der Einsicht das Kunst sich zum gesellschaftsbestimmenden Imperativ von der Produktivität – die immer mehr zur hohlen Götze des postmodernen Menschen aufgebaut wird – blasphemisch verhält.
Argumentiert die Unileitung nun mit ökonomischen Argumenten für die Abschaffung des Kunststudienganges, so entdeckt sich die Natur ihres Handelns als ein unreflektiertes Bekenntnis zum liberalen Stil unserer Gesellschaft, welche aus Desinteresse den Kausalitäten der Umwelt folgt, anstatt von innen heraus und freiheitlich gedacht, ein Statement der Selbstbestimmung zu äußern. Die Fähigkeit uneigennützig zu handeln entfließt der Einübung durch die Kunst: mehr tun als nötig. Denn eben weil Kunst immer eine Investition ist – ein genussvoller Entschied gegen das „Notwendige“ -, ist die Beantwortung der Frage der Kunststudierenden und ansonsten Empörten nach dem Grund für die Schließung eine so verstörende: weil man darin nicht investieren möchte.
Gegen die Einstellung des Kunststudienganges Auf LA in Potsdam, sprich Brandenburg!
Wenn der Lehramtsstudiengang Kunst an der Universität Potsdam nun abgeschafft wird, hat das unmittelbar Auswirkung für die Brandenburger Schülerinnen und Schüler. Schon jetzt müssen in Brandenburg fachfremde LehrerInnen für den Kunstunterricht eingesetzt werden – der Fachkräftemangel wird sich in Zukunft zwangsläufig verstärken (zumal für die nächsten Jahre bundesweit ein großer Lehrermangel prognostiziert wird). Fehlen die entsprechenden FachlehrerInnen, ist die Qualität des Faches dauerhaft gefährdet und es damit langfristig in seiner Existenz bedroht.
Schon in nächster Zeit wird es in Brandenburg an normalen Schulen nicht mehr die Möglichkeit geben sein Abitur im Bereich der musischen Fächer abzulegen (die entsprechende Verordnung wird gerade im Bildungsministerium vorbereitet). Tatsächlich wird der Bildungsbegriff langsam, aber stetig eingeengt. Ökonomisch scheinbar weniger notwendige Fächer erfahren an den Brandenburger Schulen eine stetige Marginalisierung. Konsequenterweise ist Brandenburg zukünftig das einzige Bundesland ohne eigene Kunstlehrer_innenausbildung.
Kunst eröffnet neue Perspektiven. Beim künstlerischen Prozess geht es um Wahrnehmen, Reflektieren des Wahrgenommenen und letztlich um das Aufzeigen (auch ungewohnter) Zusammenhänge. Kunst gibt einem die Möglichkeit sich zu artikulieren, was man mit Worte allein nicht auszudrücken vermag.
Wollen wir wirklich diese Verarmung gesellschaftlicher Kommunikation?
Wollen wir wirklich einen Kunstunterricht ohne KunstlehrerInnen?
Wollen wir wirklich einen Kunstunterricht, der zu einer Karikatur seiner selbst wird?
Keene Kunst mehr für Brandenburg oder wat?
B.E.A.T. wird auch von vielen ehemaligen Rettet-die-Kunst-Aktivist_innen gestaltet und wird sich auch in Zukunft für den Erhalt der Kunst, bzw. eine Widereinführung des Studienganges, einsetzen, damit Brandenburg nicht zur Ästitik-freien-Zonen verkommt. Wir werden die Kunst nicht aufgeben.
