Soli statt Kasse
Die Versuche und Methoden Bildung und Wissenschaft der Logik des Marktes zu unterwerfen sind vielfältig. Der bekannteste Vorstoß ist sicher die Einführung von Studiengebühren, durch die ein Studium zunehmend zur Ware für ein zahlungsfähiges Publikum wird.
Aber auch an vielen anderen Stellen wirkt sich die Einführung von Marktlogiken aus: Bildung und Wissenschaft werden zur Ware, Studierende zu KonsumentInnen und Produkten ihrer Studiengänge. Wir sollen als UnternehmerInnen unserer Selbst unser Studium individualisiert managen. Die Orientierung an der Profitabilität unserer Bildungsinvestitionen wird immer wichtiger. Analoge Entwicklungen sind bei den Hochschulen als Institutionen zu beobachten: Unprofitable Studiengänge werden eingestellt, nur Elitestudierenden für den Master zugelassen und die PräsidentInnen werden zu ManagerInnen, die die Autonomie der Hochschulen vor allem für sich beanspruchen.
Studierender als Produkte und KonsumentInnen?
Wir lehnen die zunehmende Ökonomisierung des Bildungssystems ab. Die Studiengänge dürfen nicht zum Reservoir des Arbeitsmarkts verkümmern.
Wir wollen mehr freie Entwicklungsmöglichkeiten für Studierende an Stelle von verstärktem Leistungsdruck, mehr Platz für das Erlernen kritischen Denkens an Stelle einer Anpassung an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes und eine stärkere Öffnung der Universität für Bildungsbenachteiligte anstatt der Förderung von Eliten. Studierende sind keine Kunden, sondern müssen hier Zeit zu demokratischem Engagement, die Möglichkeit der Selbstbestimmung und Persönlichkeitsentfaltung haben.
Wissenschaft als Ware der ökonomisch „entfesselten Hochschule“?
Wir lehnen die Kommodifizierung von Wissenschaft ab. Sie kann nicht einfach nur „marktfähige“ Ware sein, da sie dem ihr spezifischen Wahrheitskriterium unterliegt. Deshalb fordern wir: Drittmittelfinanzierung muss transparent gemacht werden und demokratischer Kontrolle unterliegen.
Die Universität darf nicht nur die Interessen der Wirtschaft bedienen, sondern muss nach denen des Gemeinwesens ausgerichtet sein – als Ort von freiem Studium, freier Forschung und Lehre.
Wir fordern eine offene Hochschule. Studiengänge müssen unabhängig von ihrer „Marktfähigkeit“ erhalten bleiben und bedarfsorientiert ausgestattet werden. Erhaltet die Kunst, Musik und Humangeographie!
Wir lehnen eine einseitige Stärkung der Leitungsgremien aufkosten aller anderer Hochschulangehörigen ab und fordern eine demokratische Öffnung. Breite Verbesserung der Lehre ist wichtiger als „Exzellenzinitiativen“.
Gemeinsam Verbesserungen erstreiten statt vereinzelt konkurrieren!
Wir werden uns sowohl um die alltäglichen Probleme der Studierenden kümmern als auch die Studierendenschaft in die Pflicht nehmen gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge zu reflektieren und gemeinsam mit uns Positionen dazu zu erarbeiten. Hierzu gehört nicht zuletzt der Zusammenhang von Bildungsmisere und neoliberaler Politik.
Statt vereinzelt und auf Kosten anderer um die besten Chancen in einem unterfinanzierten Bildungssystem zu konkurrieren, wollen wir solidarisch für mehr Rechte und bessere Bedingungen für alle kämpfen.
