Wahlprogramm 2010
Hier findet ihr die Themen und Probleme, an denen wir in der Vergangenheit gearbeitet haben. Auch in Zukunft werden wir unser ganzes Engement in diesen Bereichen einsetzen, um zusammen mit euch eine bessere Zukunft zu kämpfen:
Wir treten für eine starke studentische Mitbestimmung ein! Studierende müssen Einfluss auf ihr Lernumfeld haben und die Universität mitgestalten können. Dies geht nur mit einer gleichberechtigten Stimmenverteilung für Lehrende, Studierende und Mitarbeiter_innen in den entscheidungstragenden akademischen Gremien.
Als Studierende benötigen wir eigene, unabhängige Organisationsstrukturen im politisch Handeln zu können: eine verfasste Studierendenschaft! Das bedeutet, dass wir durch Beiträge über Geld verfügen, das wir selbst verwalten können, um damit von der Uni-Leitung unabhängig und selbständig zu agieren. Verwaltet wird dieses Geld von gewählten studentischen Gremien: den Fachschaftsräten, der Versammlung der Fachschaften (VeFa), dem Studierendenparlament (StuPa) und dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Wir fordern darüber hinaus, dass sich Studierende auch zu gesellschaftlichen Themen öffentlich äußern dürfen. Wir kämpfen weiter für ein allgemeinpolitisches Mandat.
Lernen heißt nicht Büffeln und Pauken, sondern Begreifen und Verstehen. Lernen funktioniert nur selbstbestimmt. Das verlangt flexiblere Studienordnungen, eine freiere Wahl von Prüfungsformen und -zeiträumen, die Abschaffung der Zwangsexmatrikulation und ein flexibles Teilzeitstudium. Wir wollen gemeinsam lernen und nicht in Konkurrenz zueinander.
Kritik heißt nicht “Dagegen-sein” sondern “Beurteilung” und “Infragestellung”. Kritische Lehre und Theorie beschäftigt sich mit der Gesellschaft, ihren Problemen und möglichen Lösungsansätzen. Wir sind gegen eine Wissenschaft im Elfenbeinturm. Kritische Wissenschaft gehört wieder an die Universität!
Lehre muss sich wieder lohnen! Lehrbeauftragte übernehmen einen wesentlichen Teil der universitären Lehre und bekommen dafür einen Hungerlohn. Wir fordern eine gerechte Bezahlung, von der mensch auch leben kann.
Auch versteckte Studiengebühren sind Studiengebühren! Dazu gehören nicht nur eine Rückmelde-Gebühr von 51€, kostenpflichtige, aber für das Studium notwendige Sprachkurse und kostenpflichtige Sporteignungsprüfungen sowie Hochschulsportkurse. Ausländische Studierende müssen für die Bewerbung an einer deutschen Hochschule darüber hinaus mehrere hundert Euro bezahlen. Diese soziale Benachteiligung vieler Studierender lehnen wir ab.
Studieren muss für alle möglich sein! Die Studienfinanzierung bedarf einer grundlegenden Verbesserung. Langfristig sollt Studieren nach skandinavischem Vorbild über Studienhonorare finanziell für alle sichergestellt werden. Nur so könnte die Aufnahme eines Studiums teilweise von der soziale Situation der potentiellen Bewerber_innen entkoppelt werden. Dieser Paradigmenwechsel könnte in einem ersten Schritt durch ein elternunabhänhiges BAFöG eingeleitet werden und durch ein grundlegendes Umdenken in der Steuerpolitik finanziert werden. Das von der Bundesregierung forcierte Stipendienprogramm verstärkt die soziale Ungleichheit in der Studierendenschaft – wir wollen eine soziale Absicherung aller statt einseitiger Eliteförderung.
Lehrer_innen bilden! Eine Lehramtsausbildung braucht neben fachwissenschaftlichen Grundlagen vor allem methodische, didaktische, pädagogische und psychologische Komponenten. Nach der Umstellung auf den umstrittenen “Bachelor of Education” kommt genau diese Orientierung an der schulischen Praxis viel zu kurz. Wissenschaftlicher Unterricht ist wichtig, aber bitte mit methodischer Kompetenz und praktischer Relevanz! Um dem Lehramtsstudium einen praktischen Anstrich zu verleihen gibt es jetzt ein Praxissemester im Master. Und das ganz umsonst. Hier wird gute Arbeit nicht bezahlt, stattdessen kürzt man das Referendariat. Wir fordern eine Ausrichtung des Studiums auf praktische Probleme und eine angemessene Bezahlung für Studierende im Praxissemster.
Master für alle! Durch die derzeitige Masterzugangsvoraussetzungen wird das verfaassungsrechtlich garantierte Recht auf freie Berufswahl untergraben. Entgegen kolportierten Erfolgsmeldungen wird vielen Bachelorabsolvent_innen eben doch der ersehnte Berufswunsch verstellt oder sie müssen sich mit wesentlich verschlechterter Bezahlung begnügen. Deshalb müssen diese teilweise willkürlichen Zugangsbeschränken beseitigt und ein Rechtsanspruch auf einen Masterstudiengang eingeführt werden – wir werden uns speziell auf Landesebene weiterhin dafür einsetzen.
Erhalt der Fächervielfalt! Nicht nur die Universität, sondern die gesamte Gesellschaft braucht eine größtmögliche wissenschaftliche Vielfalt. Durch den begonnen Abbau von Studiengängen zieht sich unsere Universität hier aber Schritt für Schritt aus der Verantwortung. Gemeinsam mit den derzeit oder zukünftig bedrohten Studiengängen werden wir für die unverzichtbare Pluralität des Studienangebots kämfen: Kunst, Musik, Kommunikationslinguistik, ein Master Soziologie, Humangeorgraphie und alle möglicherweise weiteren bedrohten Studiengängen dürfen dem Profilierungswahn nicht zum Opfer fallen.
Studium generale statt Studium+! Hochschulen stehen in dem Auftrag, Allgemeinbildung zu fördern und Studierenden einen Blick über den fachwissenschaftlichen Tellerrand zu ermöglichen. Eine verpflichtende Festschreibung von fachübergreifenden, häufig sinnentleerten Lehrveranstaltung, wie es Studium+ gerade tut, ist nicht im Sinne einer selbstbestimmten Bildung und Weiterbildung. Seminare müssen wenigstens hier wirklich frei wählbar sein. Darüber hinaus darf die Universität sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Auch die Lehre im Rahmen von Studium+ muss von gut qualifiziertem und bezahltem Lehrpersonal abgedeckt werden. Dafür Studierende in die Pflicht zu nehmen und sie unbezahlt mit Leistungspunkten abzuspeisen, kann keine Lösung sein!
Bundeswehr raus aus der Uni! Wir fordern, dass wissenschaftliche Forschung nicht für militärische Zwecke eingesetzt werden darf, der Studiengang “Military Studies” abgeschafft wird und Angehörige der Bundeswehr keine Lehre an der Universität abdecken dürfen. Friedensforschung statt Gewaltverherrlichung! Darüber hinaus soll sich die Universität nicht mit staatlichen Mitteln an Projekten beteiligen, die Rüstungsfirmen wie EADS, IABG oder Rolls Royce begünstigen und ihnen einen marktwirtschaftlichen Vorteil einräumen. Was sich hinter “Ziviler Sicherheitsforschung” versteckt, ist in Wirklichkeit Überwachung und Kontrolle. Wir fordern damit den Ausstieg der Universität aus dem Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS).
Überfüllte Seminare sind nicht nur das Ergebnis zu kleiner Räume, sondern liegen vor allem an einem Mangel an Lehrkräften. Um ein breites Lehrangebot und damit Wahlfreiheiten für Studierende zu ermöglichen, muss die universitäre Lehre endlich ausfinanziert werden. Diese Forderung werden wir auch und besonders auf der Landesebene weiter vertreten.
Die Uni selbst gestalten! Wir wollen unser Lernumfeld an der Hochschule selbst gestalten [! Formulierung !]. Dazu gehört, dass wir frei über ausreichend Freiraum verfügen, wo wir lernen, arbeiten, leben und kreativ sein können. Das heißt auch, dass Kunst und Kultur mehr Platz an der Universität benötigt. Der Sichtbeton in Griebtnitzsee muss endlich weg! Die obere Mensa am Neuen Palais soll endlich für Studierende nutzbar gemacht werden. Wir fordern auch weiterhin mehr studentische Werbeflächen an den Standorten.
Studieren und leben nicht nur auf dem Campus! Über viele Jahre hat sich in Potsdam eine Jugendkultur entwickelt, die weiterhin gestärkt werden muss. Die Studierendenschaft leistet zur kulturellen Vielfalt der Stadt einen wichtigen Beitrag, z.B. durch das Studentische Kulturzentrum [KuZe], den offenen Kunstverein (okev), das Konte[:x]t, den Nil StudentInnenkeller e.V., das Pub à la Pub und weitere Projekte. Der AStA hat die Kunst- und Kulturangebote dieser Vereine in den letzten Jahren konsequent gefördert. Mit diversen eigenen Veranstaltungen wie der Montagskultur im [KuZe], dem Hochschulsommerfestival und dem festival contre le reacisme hat der AStA auch eigene kulturelle Akzente gesetzt. Diese Freiräume müssen weiterhin unterstüzt und ausgebaut werden!
Die gute Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk fortführen und ausbauen! Gemeinsam mit dem Studentenwerk wollen wir die volle Verpflegung der Studierenden an den Standorten und das Angebot veganer Menüs in den Mensen in Potsdam erweitern. Darüber hinaus gilt es, die Räumlichkeiten der Mensen zu vergrößern. Ebenso notwendig ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Studierende in Form von günstigen Studierendenwohnheimen mit Nähe zum Campus.
Mehr als ein Ehrenamt! Wir setzen uns dafür ein, dass an der Universität Potsdam bezahlte Vollzeitstellen für eine_n Ausländer_innenbeautragte_n und eine_n Umweltbeauftragte_n geschaffen werden. Wir benötigen hier eine starke Interessensvertretung, die die investierte Kraft und Zeit auch angemessen bezahlt bekommt.
Wir kämpfen weiter für eine endgültige Abschaffung der Anwesenheitslisten. Selbstbestimmtes Lernen heißt auch Studierenden die Freiheit zu geben, selbst zu entscheiden, wann sie wo welche Lehrveranstaltungen besuchen wollen. Wir haben uns unser Studium bewusst gewählt! Wer nicht kommen kann, hat nicht einfach nur “keinen Bock”. Job, Kinder, Hausarbeiten, pflegebedürftige Angehörige, ehrenamtliches Engagement, private “Katastrophen” – all das lässt sich nicht in ein Stundenplan-Diktat pressen. Progressive, spannende Lehrveranstaltungen brauchen keine Zwangsanwesenheit.
Gute Lehre ist nicht beliebig. Für eine “Exzellenz in der Lehre” braucht es kein Zertifikat, sondern didaktisch gut ausgebildete Hochschullehrer_innen. Umfassende Weiterbildungsangebote gehören ebenso dazu wie eine Auswahl der neuen Lehrpersonen nach didaktischen Kriterien. Die bisher am Runden Tisch erzielten Ergebnisse wollen wir weiter verfolgen und im Selbstverständnis der universitären Lehre verankern.
Ein gutes Studium bedarf guter Bilbliotheken. Ein starker AUsbau der bisherigen Bestände ist deshalb unabdingbar. Das Hauptaugenmerk sollte vor allem auf die Anschaffung von aktueller aber auch von alternativer Literatur abseits des wissenschaftlichen Mainstreams liegen. Nur so kann die Wissenschaft sein aufklärerisches Potential verwirklichen. Der Mangel an Arbeitsplätzen in den verschiedenen Bibliotheken ist teilweise eklatant, hier ist eine Verbesserung schnellstmöglich notwendig. Daneben muss aber auch die Qulität der jeweiligen Arbeitsplätze notwendigerweise verbessert werden: die Zahl der PCs muss erhöht und diese mit Textverarbeitungsprogrammen ausgestattet werden.
Vehrkersanbindung “über die Schiene” verbessern. Die für viele spürpare Verschlechtung der Verkehranbindung aller Studienorte durch das neue Verkehrkonzept Mobil+ hat deutlich aufgezeigt, dass eine Lösung der andeuernden Probleme nicht durch eine Neugestaltung der Busfahrpläne zu realisieren ist. Vielmehr muss über eine grundlegende Neustrukturierung des Verkehrkonzeptes nachgedacht werden. Angesichts der Tatsache, dass eine Mehrheit der Studierenden tagtäglich aus Berlin anreist, kann nur eine verstärkte Frequenz der Bahn zu den jeweiligen Campus eine spürbare Entlastung hersstellen.
Die Zerstörung der Umwelt durch unser aller Lebesstil ist für jeden augenscheinlich. Um die ökologische Wende durchzusetzen muss auch die Universität ihren Teil beitragen: eine ökologische Uni jetzt! Die Universität bezieht ebenso wie das Studentenwerk noch immer keinen Ökostrom, ein Wechsel des Anbieters hin zu Srom aus regenerativen Energiequellen muss unbedingt umgesetzt werden. Das Projekt Uni-Solar bereitet den richtigen Weg zu dezentraliserter ernuerbarer Energieerzeugung, wie wollen dieses Projekt daher in Zukunft unterstützen.
Diskriminierung aktiv entgegen wirken! Die Benachteiligung von Frauen in den Strukturen der Universität ist ebenso wenig hinnehmbar wie die ständige Diskriminierung von Ausländischen Studierenden. In den letzten Jahren wurden deshalb im AStA von den linken Listen das Referat für Ausländische Studierende und das Referat für Geschlechterpolitik geschaffen. In diesem Zusammenhang entstand auch das Archiv für Feminismus und Kritische Wissenschaften (femarchiv) in der Potsdamer Innenstadt. BEAT! wird weiterhin antisexistische und antirassistische Arbeit machen und andere Initiativen unterstützen.
Studierende als ernstzunehmende politische Akteure! Viele von uns haben sich aktiv in den Bildungsstreik eingebracht und gemeinsam mit den vielen Aktiven erste positive Veränderungen erreicht. Um fundamentale Verbesserung im Bildungssystem erreichen zu können, ist auch in Zukunft aktiver Protest nötig. Wir werden uns auch in Zukunft aktiv für den Bildungsstreik stark machen und ihn bestmöglich unterstützen.
Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben: Wir verstehen uns als LINKS!
